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Dabei gewesen: "Kooperation statt Konfrontation"DIFU-Seminar in Berlin

von Dirk Kron | 30. November 2010

Es ging um „Erfahrungen, Erfolge und Grenzen bei der Umsetzung von kooperativen Moderationsverfahren“. Eingeladen hatte vom 24. bis 25. November das Deutsche Institut für Urbanistik in Berlin. Der Zeitpunkt für dieses Seminar hätte nicht besser sein können: passend zur aktuellen Debatte um Stuttgart 21 diskutierten PlanungspraktikerInnen, WissenschaftlerInnen und MitarbeiterInnen freier Träger sowie Moderatorinnen aus der gesamten Republik über die Rahmenbedingungen, Voraussetzungen, Chancen und Grenzen für „gelingende Moderationsverfahren“.

Dr. Christine Grüger steuerte für cg konzept einen Erfahrungsbericht gemeinsam mit der Saarbrücker Planungsamtsleiterin Monika Kunz und der Architektin Regina Stottrop zur Frage: Partizipation in Wettbewerben – ein Gegensatz? bei.

Im Fokus standen die von uns moderierten Bürgerwerkstätten im Rahmen des kooperativern Wettbewerbs „Stadtmitte am Fluss“ in Saarbrücken. .
Neben der intensiven Öffentlichkeitsarbeit, bereits im Vorfeld der Werkstätten interessierten sich die Zuhörer vor allem für den „virtuosen Umgang“ mit den wettbewerbsrechtlich engen und strengen Vorgaben für ein VOF Verfahren.

Denn „direkter Dialog auf Augenhöhe“– eine der Erfolgsbedingungen für gelingende Moderation war in diesem Verfahren rechtlich nicht möglich. So mussten andere „Dialogkanäle“ zwischen Planungsteams und Bürgerschaft genutzt werden. Und die hießen Wandzeitung, Kameraübertragung und Übersetzungen durch die Moderation.

Stuttgart 21 als möglicher Wendepunkt in der Beteiligung der Öffentlichkeit war immer wieder Bezugpunkt in den Diskussionen. Klar wurde, dass „eine lebendige Demokratie eine Dauerbaustelle ist, über die immer wieder neu nachgedacht und neue Beteiligungsformen gefunden werden“ müssten. Verwaltungen, so wurde deutlich, müssten sich künftig organisatorisch, prozesshaft und personell auf diese neue Herausforderung einstellen.

Ein neues Stichwort im Beteiligungsdiskurs lautete „Verwaltungsbeteiligung“: Transparenz, Kooperation und Kommunikation seien auch verwaltungsintern noch häufig hohe Hürden. Und je komplexer die Augabenstellungen sind, desto höher ist die Anzahl der beteiligten Verwaltungsakteure.

Gute Moderation setzt im Stadtentwicklungskontext auch raumplanerische Kompetenz voraus. „ Ohne die Fachkompetenz der Moderation lassen sich komplexe Verfahren“ nicht steuern, so Professorin Monika Kunz aus Kassel. „Allein die Übersetzungsarbeit der Fachsprache in Alltagssprache“ ist unabdingbar.

Den fulminanten Auftakt zur Tagung hatte Prof. Klaus Selle aus Aachen mit einem brillianten Einstiegsreferat zu den gemeinschaftlichen Anliegen einer Stadtgesellschaft geliefert und dabei auf die Gefahr einer fachlichen Überheblichkeit von Planenden als selbstverstandene Dirigenten der Stadtentwicklung hingewiesen. Dieser Haltung könne ins Auge gehen: siehe Stuttgart 21.

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