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Perspektivplan Freiburg – Gastbeitrag Badische Zeitung

von admin | 28. Juli 2015

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Die Badische Zeitung fragte im Rahmen einer aktuellen Serie zum Thema Stadtentwicklung und Wohnungsmarkt einen Gastbeitrag zum Thema Perspektivplan an. Der Meinungsbeitrag ist am 27. Juli 2015 erschienen. Wir dokumentieren hier den Beitrag, den Dirk Kron verfasst hat:

„Wohnst Du schon oder suchst du noch?“ Dieses Motto gilt, seit ich selbst in den Neunziger Jahren nach Freiburg gezogen bin. Und seit aus der Schwarzwaldhauptstadt eine zunehmend bunte Green City geworden ist, passt es umso mehr. Freiburg ist attraktiv. Und Freiburg wächst: 1000 neue Arbeitsplätze pro Jahr, eine positive Geburtenrate, jedes Semester neue Studentengenerationen, von denen nicht wenige der Jobs, der Liebe, der Landschaft wegen hier bleiben.

„Redet ihr noch oder macht ihr endlich?“ Auch dies ein Motto, das nicht wenige mit der Stadt an der Dreisam verbinden. Eine Stadt, die sich selbst als diskursiv versteht, und auch mal spöttisch als „badischer Freistaat der Arbeitskreise und Runden Tische“ beschrieben wird. Während also die einen zunehmend verzweifelt (bezahlbare) Wohnungen suchen, und der Druck auf Stadtplaner wie Politik fast täglich steigt, lädt die Stadtverwaltung -erneut- zum Dialog. Perspektivplan Freiburg lautet dabei die Überschrift. Gemeint ist ein Planwerk, das helfen soll, den Gordischen Knoten in der Stadt zu zerschlagen: Wie und wohin kann Freiburg sich (noch) entwickeln, ohne zum gesichtslosen „Breiburg“ zu werden, wie es Axel Mayer in seinem Meinungsbeitrag in dieser BZ-Reihe als negative Vision beschrieben hat.

Als Moderator und Prozessberater begleite ich diesen Planungs- und Dialogprozess seit acht Monaten. Und ich kann sagen: der Weg ist anstrengend, aber er lohnt sich. Dass die Stadt in der Zwischenzeit auf Pause gestellt sei, und alles verharre, bis der Perspektivplan endlich kommt, ist populistischer Quatsch. Wer auf den Kanonenplatz geht und auf die Stadt schaut, wird Baukräne sehen und Baustellen zuhauf. Die Stadt lebt und entwickelt sich weiter, Tag für Tag. Und ebenso tagtäglich wird hart daran gearbeitet, dieser Entwicklung eine Richtung zu geben.

Die Stadt Freiburg ist überreif für einen Perspektivplan. Sie hungert förmlich danach, sich selbst eine Vision zu geben, die nicht in der linearen Fortschreibung der Vergangenheit oder Gegenwart liegt. Das Bedürfnis gemeinsam nach einer Leitidee zu suchen, erlebe ich in allen Veranstaltungen, die ich mit vorbereitet oder moderiert habe. Sicher, nicht immer treffen alle Beiträge das Thema und gerne mal wird freiburgtypisch gekrittelt. Auch ist die Frage ungeklärt, wie mehr Suffizienz in die Debatte kommen kann: denn der Wohnraumbedarf pro Kopf wächst ungebremst. In der Summe ist die Qualität der Dialoge bei breiter Meinungsvielfalt hoch. Das bestätigen auch die externen Planer aus Hannover und Frankfurt und greifen Hinweise und Erkenntnisse nachvollziehbar auf. Genau das erwarte ich von einer deliberativen Demokratiekultur.

Wo also steht der Perspektivplan heute? Wird er der große Wurf werden? Der Prozess befindet sich jedenfalls an einer äußerst spannenden Stelle: nach der Daten- und Faktenanalyse, dem Herausarbeiten der freiburgtypischen Qualitäten, die es zu bewahren oder weiterzuentwickeln gilt, wird derzeit an drei Denkrichtungen gearbeitet. Allen drei Leitideen liegt eine gemeinsame Philosophie zugrunde: Wohnraum zu schaffen und gleichzeitig Freiraumqualitäten zu stärken, und beides nicht länger gegen einander auszuspielen.

Das passt zu den Anregungen der Bürgerinnen und Bürger in den Diskussionen über Dichte, die wir in den letzten Monaten geführt haben. Dichte an sich ist nicht das Problem, wurde gesagt. Es kommt darauf an, was ihr daraus macht! Die Westarkaden wurden dabei häufig genannt – als eben nicht modellhaft für Freiburgs Zukunft. Landschaft und Grün wohnortnah erreichen zu können, weniger Verlärmung, abwechslungsreiche Wohnformen und Architekturen, das gebe einer urbanen Dichte die Lebensqualität, für die Freiburg stehe. Das Kern der Botschaft: dann sind wir auch bereit zusammen zu rücken, und den ökologischen Fußabdruck unserer Stadt im Blick zu behalten.

Es wird spannend werden, die drei Denkrichtungen im Herbst weiter zu diskutieren. Und im gesellschaftlichen Diskurs den größten, und nicht den kleinsten gemeinsamen Nenner zu suchen. Der Politik sei an dieser Stelle Mut empfohlen, sich für ein klares Raumbild zu entscheiden.

Zum Hintergrund:

Dirk Kron, Jahrgang 1963, lebt mit Familie in Freiburg, führt gemeinsam mit Christine Grüger das Freiburger Moderationsbüro suedlicht. Er arbeitet seit 16 Jahren im Kontext von Bürgerbeteiligung und Veränderungsprozessen in Organisationen und Unternehmen.

Mehr unter: www.freiburg.de/perspektivplan

Die nächste öffentliche Veranstaltung zum Perspektivplan findet gleich nach den Sommerferien am 15. September im Paulussaal statt.

Neben dem Moderationsbüro suedlicht sind an der Erstellung des Perspektivplans folgende Planungsbüros beteiligt: cityförster und freiwurf, Hannover sowie Stein+ Schultz, Frankfurt a. Main.

 

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