« | Home | »

Qualität in der KITA. Moderation einer Fachtagung im Konzerthaus Freiburg.

von Dirk Kron | 1. Juli 2016

Auf Einladung der Vereinigung Freiburger Sozialarbeit moderierte suedlicht in der Besetzung Dirk Kron und Bea Waltenberger eine Fachtagung zum Thema Qualität in der Kita. Namhafte Referenten aus Wissenschaft, Forschung, Administration und Politik ging es um die Frage, was Qualität ausmacht und ob wachsende Qualitätsansprüche mit dem Tempo des KITA-Ausbaus hinterher kommen.

Die Moderation setzte zum Brainstorming mit rund 250 Erzieherinnen und Erziehern das Format „Brainstormbox“ ein. Die beschriftbare Box war gefüllt mit einer kreativen Arbeitsanleitung, mehrfarbigen Stiften und schoko-ummantelte Espressobohnen und half aktiv das Mittagsloch zu überwinden. Am Nachmittag spielten die Boxen im Rahmen der abschliessenden Podiumsdiskussion eine zentrale Rolle.

Für die Badische Zeitung (Ausgabe vom 14. Juni) fasste Marlene Resch die Tagung zusammen:

Fachkräftemangel, zu große Gruppen und zu wenig Zeit zur Vor- und Nachbereitung: Die Rahmenbedingungen für Erzieherinnen und Erzieher sind problematisch. Wie kann da Qualität sichergestellt werden? Auf einer Fachtagung in Freiburg wird nach Antworten gesucht.

In den vergangenen Jahren habe man bei den Kitas vor allem auf eines gesetzt: Quantität. Denn durch den 2013 festgelegten Rechtsanspruch für Kinder unter drei Jahren musste eine Vielzahl neuer Kita-Plätze geschaffen werden. Es sei Zeit, den Blick wieder verstärkt auf die Qualität zu setzen, sagt Wolfgang Schäfer-Mai, Vorsitzender der Vereinigung Freiburger Sozialarbeit (VFS), zum Auftakt der Tagung zum Thema Qualität in Kitas am vergangenen Freitag im Konzerthaus.

Susanne Viernickel von der „Alice-Salomon-Hochschule“ in Berlin nennt in ihrem Vortrag einen Konflikt, der die ganze Tagung lang eine Rolle spielen wird: die Abhängigkeit der Kita-Qualität von strukturellen Rahmenbedingungen. „Personalschlüssel, Gruppengröße und Qualifikation des Personals – all’ das ist durch politische Entscheidungen reguliert“, so Viernickel. Was bleibt da an individuellen Möglichkeiten der Erzieherinnen, die Qualität zu verbessern? Antworten Vorträge von Dorothee Gutknecht von der Evangelischen Hochschule Freiburg über verantwortungsvolle Arbeit und von Lieselotte Ahnert von der Universität Wien über Stressreaktivität .

Doch in einem gemeinsamen Brainstorming des Publikums, das Moderator Dirk Kron initiiert, und auf dem Podium werden immer wieder die gleichen Forderungen laut: mehr qualifiziertes Personal, mehr Studiengänge, eine Freistellung für die Kita-Leitung und angemessene Fachberatung.

Frank Jansen, Geschäftsführer des Bundesverbandes Katholischer Tageseinrichtungen für Kinder (KTK), sieht die Lösung in einem speziellen Bundesgesetz, das die Qualität von Kitas auf Bundesebene regeln soll. Roland Kaiser vom Kommunalverband Jugend und Soziales (KVJS) steht dem jedoch skeptisch gegenüber: Kritiker befürchten, dass der hohe Standard Baden-Württembergs unter einer bundesweiten Regelung leiden würde. Denn Baden-Württemberg steht im Ländervergleich gut da: Der Betreuungsschlüssel von 1 : 3,1 für Kinder unter drei Jahren liegt nur knapp unter dem Empfehlungswert der Bertelsmann-Stiftung (1:3). Doch Marianne Haardt, Leiterin des städtischen Amtes für Jugend, Kind und Familie, weiß, dass die Realität in den Kitas anders aussieht: „Zwei Kolleginnen melden sich krank, eine fällt wegen Schwangerschaft aus, der Kollege ist auf einer Fortbildung und jemand anderes im Urlaub.“

Norbert Hocke, Vorstandsmitglied der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, sieht die Kitaqualität auch aufgrund der Ausweitung des Fachkräftekatalogs in Gefahr: „Bei Lehrern käme niemand auf die Idee, bei Fachkräftemangel zu sagen, man öffnet das Berufsfeld und jeder, der mag, kann Lehrer werden.“

Am Ende der Tagung bleibt daher Skepsis, was die Möglichkeiten angeht, die gewünschte Qualität umzusetzen, wie sich auch an Fragen aus dem Publikum zeigt. Ellen Biesenbach, Geschäftsführerin der Familienservice gGmbH, versucht, den Erzieherinnen und Erziehern Mut zuzusprechen: „Qualität wird von unten nach oben hergestellt. Es gibt niemanden außer Ihnen, der etwas ändern kann.“ Susanne Viernickel wagt sogar, von einer Vision zu träumen: Anerkennung des Berufs, angemessene Bezahlung und qualifiziertes, motiviertes Personal, wünsche sie sich: „Ich möchte, dass aus der Negativspirale, in der wir uns befinden, eine Positivspirale wird.“

Topics: Allgemein | Keine Kommentare »

Einen Kommentar schreiben