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Eine mutige Variante der Partizipation in Wettbewerbsverfahren: Neues Wohnen in Frankfurt Eschersheim!

von Christine Grüger | 6. Januar 2019

Im Frankfurter Stadtteil Eschersheim soll ein neues Quartier in unmittelbarer Nähe einer 60iger Jahre Siedlung entstehen. Die Probleme durch die unmittelbare Nachbarschaft und der im Vorfeld bekannten Forderungen nach der Erhaltung eines „Wäldchens“ veranlasste die Stadt Frankfurt dazu, die interessierte Öffentlichkeit bereits im Rahmen des städtebaulichen Ideenwettbewerbs miteinzubinden. Dabei wurde die Bürgerbeteiligung zum Wettbewerb zugleich mit den gesetzlich vorgeschriebenen frühzeitigen Bürgerbeteiligung gemäß des § 3 (1) Baugesetzbuches in einer gemeinsamen Veranstaltung verschränkt. Ein seltenes und gewagtes Vorgehen in einem dialogorientierten Wettbewerbsverfahren!

Damit war klar, dass in der Veranstaltung die gesetzlichen Forderungen der Erläuterung unterschiedlicher Lösungen und der Auswirkungen auf das Gebiet zu erfolgen hatte.

Die fünf von einer Jury ausgewählten Entwürfe aus der 1. Phase wurden in einer ersten Bürgerinformationsveranstaltung präsentiert und der interessierten Öffentlichkeit Gelegenheit zu intensivem Austausch mit den Planungsteams sowie der Abgabe eines feedbacks gegeben.

Die Planungsteams wurden dann aufgefordert, auf der Basis dieses feedbacks ihre Entwürfe in den nächsten drei Monaten zu überarbeiten und der Öffentlichkeit am Tag vor der Preisgerichtssitzung zu präsentieren. Hier wurden tatsächlich noch einige Entwürfe erheblich aufgrund der bürgerschaftlichen Anregungen verändert. Darauf wurde auch explizit in den Kurzpräsentationen der Planungsteams eingegangen.

Einige Mitglieder der Jury und des Stadtrates waren in dieser zweiten Bürgerinformationveranstaltung anwesend. So erfuhren diese das Meinungsbild und -mittelbar- auch den favorisierten Entwurf der Bürgerschaft. Eine „gewagte“ Variante der Partizipation in Wettbewerbsverfahren, die nicht in allen Bundesländern auf Gegenliebe der Architektenkammern und einiger Planungsteams stößt. Die Befürchtungen, dass Jurymitglieder und Politiker durch diese Veranstaltung beeinflusst und weniger die Qualität der Entwürfe als vielmehr das „Wählervotum“ in den focus nehmen, ist sicherlich nicht unberechtigt.

Zum Glück waren sich jedoch die Fachjury und die Alltagsexperten einig und favorisierten den gleichen Entwurf.

Nur was würde passieren, wenn hier sich hier die Fach- und Alltagsexperten uneins wären. Eine spannende Frage ….

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