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Covid-19: Chronik eines Prozessumbaus

von Dirk Kron | 26. Mai 2020

Wir arbeiten seit einigen Monaten an einem strategischen Plan für den Naturpark Schwarzwald Mitte-Nord, das ist der größte Naturpark in Deutschland. Ende Januar fand die Auftaktveranstaltung in Bad Wildbad statt. Und dann kam Corona.
Ich weiss noch genau: Am Donnerstag, 16. März saßen wir im suedlicht-Team zusammen. Wir fragten uns: Kann der Planungsdialog am 23. März mit fortgesetzt werden? Funktioniert eine große Akteurs-Werkstatt auch mit 1,5 m Abstand zwischen den Stühlen? Gibt das die Räumlichkeit her? Wir waren skeptisch und doch entschlossen es zu versuchen. Ein Tag später, am 17. März, kam die Nachricht. Betretungsverbot in der gemieteten Halle. Klare Botschaft: Die Veranstaltung wird abgesagt.

Dann kam die Zeit der Krisentelefonate.Und die Einschätzung wuchs: Das kann länger dauern.Also haben wir die Köpfe zusammengesteckt, im Team und mit dem Auftraggeber, und alternative Konzepte skizziert. Technik wurde getestet, nach passenden Tools gesucht, Datenschutzanforderungen geprüft. Toll war, dass Ende März unser Netzwerkpartner, Polidia GmbH seine Unterstützung angeboten hat. Die Kolleginnen und Kollegen in Berlin haben sofort mitangepackt und ihre Erfahrungen beim Aufbau einer digitalen Dialogplattform eingebracht.

Innerhalb von zweieinhalb Wochen entstand eine digitale Beteiligungslandschaft: mit klarer Nutzerstruktur, mit Texten, Fotos wurden eingebaut, ein Erklärvideo gedreht und strategischen Fragen entwickelt, auf die wir nun digital auf Antworten hoffen.

Am 15. April haben wir die Akteurswerkstatt mit einer Videokonferenz eingeleitet. Alle waren etwas nervös, doch es hat geklappt: inklusive Grußwort, ein virtueller Gang durch die Dialogplattform, und ein erstes Diskutieren in virtuellen Kleingruppen

Am selben Tag noch wurde die online-Plattform unter dem Namen Dialognaturpark2030 freigeschaltet. Und die ersten Nutzer haben sich registriert und eingeloggt. In 10 Tagen Laufzeit haben wir über 200 Beiträge erhalten. Die Qualität war wirklich außerordentlich hoch. Mit diesen können wir nun weiterarbeiten.
Was haben wir gelernt haben? Wir eine völlig veränderte Dialog-Struktur aufgebaut, haben Videokonferenz und digitale Plattform verbunden, und einen 10 tägigen Dialogprozess online moderiert. Das ganze innerhalb von 4 Wochen. Schön zu sehen, wie das im Team und mit dem Auftrageber so schnell möglich war.

Und wir haben gelernt: Wir werden die neuen digitalen Strukturen noch eine ganze Weile brauchen. Sie weiterentwickeln und sie modifizieren. Sie helfen uns in dieser Zeit das nun vielleicht noch wichtiger gewordene Dialogprinzip aufrecht zu erhalten
Klar: Mimik und Zwischentöne lassen sich digital nicht einfach übertragen. Die menschliche Kommunikation hat mehr zu bieten als 0 und 1. Und auf einer Plattform zu schreiben und zu kommentieren, ist nicht die Art des diskursiven Miteinanders, die wir sonst so wertschätzen. Dennoch: die Kombination verschiedener tools bietet auch neue Möglichkeiten. Wir werden Teile davon sicher auch nutzen, wenn wir wieder in echt zusammenkommen können. Und darauf freuen wir uns sehr.

Ein Video hierzu finden Sie auf unserer website unter Digitales
oder unter Eindrücke

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