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Teamentwicklung in Organisationen, Unternehmen und in Projekt-, Spur-, Leitbild- und Vorbereitungsgruppengruppen

von Dirk Kron | 29. Juli 2013

DSC06820Als systemisch geschulte und ausgebildete Organisationsberater ist uns die Dynamik von Teams ein Begriff. Mitunter werden wir von Kunden speziell für Entwicklungsaufgaben mit Projektteams angefragt. Oder wir bedienen uns unserer systemischen Erfahrungen in diesem Bereich, wenn wir selbst innerhalb von Entwicklungsrozessen, die wir begleiten und moderieren mit Projektgruppen zu tun haben.

Dies ist häufig der Fall, denn ob Beteiligungsverfahren, Dialogprozess oder Leitbildentwicklung: fast immer werden diese von Steuerungsgruppen, Vorbereitungsteams oder Spur- oder Projektgruppen begleitet. Diese Gruppen wollen eine gute Leistung abrufen, ein gutes oder hervorragendes Ergebnis erzielen. Zugleich sind oft bunt zusammengesetzt: sie kommen aus verschiedenen Ämtern oder Fachbereichen, aus unterschiedlichen Abteilungen oder Niederlassungen. Sie sprechen meist Deutsch und doch häufig eine unterschiedliche (Fach-) Sprache. Sie bringen Erfahrungen mit und Geschichten, Vorbehalte und Vorurteile, haben unterschiedliche Erwartungen und unterschiedlichen Rückhalt im System.

Daher ist es wichtig auf den Prozess des „Werdens“ eines Teams zu achten. Team heißt nicht Freundschaft auf Zeit, auch wenn dies gerne (oder ungern) damit verwechselt wird. Ein Team soll sich in der Unterschiedlichkeit seiner Mitglieder so entwickeln, dass alle Mitglieder in die Lage versetzt werden ihre jeweiligen Kompetenzen und Persönlichkeitsanteile nutzbar zu machen für ein Gelingen des gemeinsamen Vorhabens. Was schnell gesagt wird braucht seine Zeit: etwas was gerne von Auftraggebern vergessen wird, die nur die Sachebene, das Produkt im Blick haben. Dies erreicht jedoch erst dadurch eine wirkliche Qualität, wenn Diversität in einer Gruppe vorhanden ist, die sich immer wieder erfolgreich auf das gemeinsame Ziel ausrichten kann.

Dabei Arbeiten wir -im Seminar direkter, im moderieren einer Gruppe, die zum Tem werden soll indirekter- mit den 6 Phasen des Teamentwicklungsmodells von Tuckmann aus den 60ger Jahren, das immer noch zum Standard der Gruppenpsychologie gehört.

Das im Springer Verlag erschienene online-Buch www.lehrbuch-psychologie.de beschreibt die Phasen der Teamentwicklung wie folgt:

„Zunächst kommen die Teammitglieder das erste Mal zusammen (Forming). Dieses Kennlernen und erste Beschnuppern ist oft mit Unsicherheit verbunden: Werde ich vom Team akzeptiert? Kann ich mich in diesem Team voll entfalten? In dieser Phase sind die Beziehungen der Teammitglieder untereinander noch völlig offen und unklar.

Nach dieser ersten Unsicherheit, versuchen die Teammitglieder über Aufgaben- und Rollenkonflikte ihr Revier abzustecken (Storming). Diese Phase ist besonders kritisch. Stoßen hier dominante Charaktere aufeinander, kann dies den gesamten Arbeitsprozess des Teams beeinflussen. Deshalb sollte diese Phase mitunter durch einen Moderator begleitet werden.

Nachdem die Machtkämpfe abgeschlossen sind, kann das Team zusammenwachsen. Das Festlegen von Regeln und die gemeinsame Definition von Rollen (Norming) im Team tragen dazu bei und sichern den Erfolg für die sich anschließende eigentliche Arbeitsphase (Performing).

Dieses Phasenmodell wurde später noch um eine fünfte Phase ergänzt: für temporäre, nur vorübergehend zusammenarbeitende Teams schließen sich Ablösungsprozesse an. Die Teammitglieder lösen sich voneinander und auch von der gemeinsamen Aufgabe.

Im Idealfall reflektieren sie gemeinsam oder auch individuell über ihre Teamerfahrungen und lernen daraus für folgende Gruppenarbeiten (Adjourning). Handelt es sich um offene Teams, die einem stetigen Mitgliederwechsel ausgesetzt sind, dann können die Phasen immer wieder neu durchlaufen werden. Aber auch bei kontinuierlich zusammen arbeitenden Teams kann es immer wieder zu rückkoppelnden Schleifen kommen, die beispielsweise Rollen- und Aufgabenteilungen umdefinieren. Damit wird deutlich, dass einem Team, über die Bearbeitungszeit der eigentlichen Aufgaben hinaus, Zeit eingeräumt werden muss, damit es leistungsstark zusammenarbeiten kann.

Unter youtube finden Sie dies noch mal sehr schön in einer kleinen Animation dargestellt: Teamentwicklung

 

 

 

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