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Prozessarchitektur, Veranstaltungsdesign, Methodeneinsatz am Beispiel „Masterplan Mobilität Konstanz 2020+“

von Dirk Kron | 26. Februar 2014

logo masterplananhängerDie Bürger- und Akteursbeteiligung – ein wesentlicher Bestandteil im Rahmen der Erstellung des Masterplans Mobilität Konstanz 2020+

Im Dezember 2013 hat der Gemeinderat dem Masterplan Verkehr mit großer Mehrheit zugestimmt. Damit geht für uns ein gut 3-jähriges Projekt zu Ende, in dem wir die Aufgaben der Prozessberatung, der Moderation einer Projektgruppe der Verwaltung, die Moderation und Dokumentation unterschiedlichen Mobilitätsforen und zweier Gemeinderatsklausuren übernommen haben.

Zahlreiche personelle Wechsel auf Seiten des Auftraggebers (inklusive Amtsleiter, Projektleiter und Oberbürgermeister) und das im Allgemeinen und in Konstanz im besonderen „heiße Eisen“ Mobilität  haben den Prozess zu keiner einfachen Aufgabe gemacht.

Dabei konnten wir auf die hervorragende fachliche Zusammenarbeit mit Gisela Stete und Florian Zimmermann von StetePlanung in Darmstadt setzen. Steteplanung hat mit Akribie und fachlicher Kompetenz alle Anregungen aus den Dialogprozessen geprüft, systematisiert und wo immer aus planerischer Sicht sinnvoll aufgegriffen.

Wir haben in diesem komplexen Prozess im Rahmen der Bürger- und Akteursbeteiligung zahlreiche Moderationstools angewendet, die wir hier vorstellen wollen:

Von Anbeginn war es der Verwaltung und den politischen Gremien ein zentrales Anliegen den fachlichen Entwicklungsprozess des Masterplans Mobilität transparent zu gestalten und die Bürgerinnen und Bürger der Stadt dabei aktiv einzubinden.

Das Konzept des damit beauftragten Moderationsbüros suedlicht aus Freiburg sah eine breit angelegte Beteiligung von interessierten Bürgerinnen und Bürgern sowie Interessenvertreter vor. Die Grundkonzeption bestand aus einer Auftaktveranstaltung und 3 Mobilitätsforen mit Werkstattcharakter.

Als lernendes Verfahren konzipiert wurden im Verlauf weitere spezifische  Beteiligungsmöglichkeiten geschaffen. Für den Einzelhandel, der an den samstäglichen Mobilitätsforen aus Zeitgründen nicht teilnehmen konnte  wurde ein spezieller Workshop (Juli 2012) organisiert. Zudem wurden Zwischenergebnisse der Mobilitätsforen in einer Ausstellung im Bürgeramt präsent gemacht.

anhänger

Kernanliegen des Beteiligungskonzeptes

Zentraler Ansatz war es raum- und themenspezifische Mitwirkungsmöglichkeiten zu bieten und mit interessierten wie betroffenen Bürgerinnen und Bürgern sowie mit Interessensvertretern bzw. Schlüsselpersonen ins Gespräch zu kommen und deren Alltagskompetenz und Know-how nutzbar zu machen.

Dabei war es ebenfalls wichtig Sorgen, Ängsten und Befürchtungen einen Raum zur Artikulation zu geben, die besonders bei verkehrlichen Fragen stets auftauchen. Die Moderatoren haben dabei verdeutlicht, dass nicht in allen Fragen ein Konsens auszuhandeln ist, dass es stets auch Interessenkonflikte gibt, die nicht lösbar erscheinen. Aufgabe in demokratischen Prozessen ist es dann nach Kompromissen zu suchen, die nicht faule Kompromisse sondern möglichst gute Kompromisse sind.

Alle genannten Anregungen, kritischen Hinweise und Ideen wurden dokumentiert und den städtischen Fachämtern und den Verkehrsbetrieben sowie allen Interessierten im Internet zur Verfügung gestellt wurden. Diese Aufarbeitung und systematische Sichtung aus fachlicher Sicht lag vorwiegend in Händen von Steteplanung aus Darmstadt.

Auf Basis dieser Dokumentation fand schließlich die fachliche Abwägung von teilweise  konkurrierenden Ideen, Vorschlägen und kritischen Anmerkungen statt, die Steteplanung vornahm und die in der eigens eingerichteten Projektgruppe der Stadtverwaltung erörtert wurden. Diese interdisziplinär besetzte Projektgruppe wurde fachlich von Steteplanung begleitet und von suedlicht moderiert.

 

Information, Transparenz und Moderationsmethoden

Bürgerbeteiligung ist mehr als Technik und Methode. Es ist auch eine zu entwickelnde Haltung und ein stets neu zu balancierender Kommunikationsprozess zwischen unterschiedlichen Interessen, Positionen, Wissen und Kompetenzen.

Ein wichtiger erster Teil des Beteiligungsprozesses bestand aus Informationsweitergabe. Ziel war es unterschiedlichte Wissensstände auszutarieren („Augenhöhe schaffen“), Transparenz herzustellen und damit eine gemeinsame Dialogbasis zu schaffen. Hierzu erfolgte ein konsequentes zur Verfügung stellen von Informationen im Internet (städtische website). Zudem waren Erläuterungsphasen sowie Frage- & Antwort-Runden selbstverständlicher Bestandteil in allen Mobilitätsforen.

Beim Thema Information wurde darauf geachtet, dass Präsentation und Erläuterungen möglichst konkret, anschaulich und  zeitlich angemessen waren und Rückfragemöglichkeiten bestanden.

Zudem wurde das Format des Infotalks genutzt, bei dem 2-4 Informationsgeber/ innen im Gespräch mit der Moderation wesentliche inhaltliche Punkte weitergeben oder auf Fragen antworten konnten, ohne dass es zu ermüdenden langen aufeinander folgenden Präsentationen kam. Auch bei den Teilnehmenden achtete die Moderation darauf, dass Redezeiten nicht überstrapaziert wurden und  im wesentlichen Fragen oder Botschaften an die Planenden formuliert wurden.

Ferner wurden folgende Moderationsformen und Tools eingesetzt:

Murmelgruppen  etwa dienten dazu sich in kurzer Zeit unter den Teilnehmenden über Themen auszutauschen und beispielsweise Fragen an die Verwaltung auszutauschen.

Arbeit im Großgruppenformat hatte das Ziel, möglichst viele Aspekte und die Gesamtheit der Aufgabenstellung in einem Raum sichtbar, spürbar und erlebbar zu machen.

Kleingruppen (max. 8 Personen je Gruppe, alle in einem Raum) innerhalb der Großgruppenformate dienten dazu themen- oder ortsspezifische Hinweise, Empfehlungen oder Ideen zu erarbeiten.

Die Arbeit am großen gemeinsamen Mindmap („Gedankenlandkarte) machte es möglich, Trends- und Tendenzen in der Meinungsbildung sichtbar zu machen und erste (Lösungs-) Brücken zu bauen.

Wandzeitungen hielten Ergebnisse zu einzelnen Kriterien oder Fragestellungen lesbar und selbsterklärend fest.

In  Ergebnisgalerien war es möglich Arbeitsresultate von parallel arbeitenden Gruppen auf Postern kennenzulernen und je nach Fokus Ergänzungen oder Bewertungen vorzunehmen.

Plenare Reflektionsrunden schufen Raum um interessenübergreifende Erkenntnisse herauszubilden oder Konflikte greifbar zu machen.

 

Methodik und Ziel

Alle genannten Arbeitsformen dienten stets dem gleichen Ziel: Alltagswissen, Erfahrungen und Ideenschätze zu heben, sie mündlich herauszuarbeiten, schriftlich festzuhalten und in einem Austausch mit „anderen“ zu bringen. Zudem sollten schwelende Konflikte nicht überdeckt sondern benannt und bearbeitbar gemacht werden, ohne dass das Verfahren explizite Mediationsbestandteile hatte.

Dieses Vorgehen unterstützte die Verwaltung und das Fachbüro mit zahlreichen und wichtigen Detailhinweisen und Problembenennungen. Zudem wurde eine gemeinsame Kommunikationskultur entwickelt..

Dem Thema Kommunikationskultur diente auch der Einsatz eines Improtheaters (Consentum, Konstanz), das im Rahmen der Auftaktveranstaltung mit Humor und dem treffsicheren Herausarbeiten bekannter Stereotypen, die gerne recht verbissen geführte Verkehrsdebatte in Konstanz in einen Mobilitätsdialog zu überführen half.

Die beiden großen links- und rechtsrheinischen Mobilitätsforen, die einen Nachmittags/Abend und eine Vormittagsteil umfassten, wurden  in Hallen durchgeführt, die mit Augenmass„möbliert“ waren. Die Teilnehmenden arbeiteten zwischen Pedelec und Elektroauto, Verkehrschildern und Baustellenabsperrungen, Rollern und Dreirädern, allesamt Symbole, die die Themen der Diskussion und die verschiedenen Bedürfnisse und Zielgruppen sichtbar in den Raum brachten.

Neben der Konzeption und Durchführung der Mobilitätsforen übernahm suedlicht die Moderation der regelmäßigen Arbeitssitzungen der Projekt AG mit Vertretern verschiedener beteiligter Ämter und der Stadtwerke unter Leitung von Baubürgermeisters Herrn Kurt Werner. Diese Projektgruppe diente der fachlichen Rückkopplung der Bürgerrückmeldungen, von verkehrlichen Konzepten und Untersuchungsergebnissen.

Zudem wurden zwei intensive Klausuren des Konstanzer Gemeinderates zur Auseinandersetzung mit den Ergebnissen im Beteiligungs- und Entwicklungsprozess durch suedlicht moderiert.

Zum Abschluss des Verfahrens wird die Stadtverwaltung Konstanz die Ergebnisse des Masterplans Mobilität Konstanz 2020 plus in einer Ausstellung mit Eröffnung durch den Oberbürgermeister  vorstellen.

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