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Standortsuche: Ein neues Stadion für den SC Freiburg

von Dirk Kron | 26. Februar 2014

stadion fotoSpannend mal ein Beteiligungsverfahren aus der Nähe mit gewissem Abstand zu betrachten:  Als Zeitungsleser und Bürger dieser Stadt (also ohne professionell beteiligt zu sein) verfolge ich den Dialogprozess zur Standortsuche für ein neues Stadion in Freiburg. In einer Stadt, „in der man keinen Stein umdrehen kann, ohne dass sich Protest regt“, so  Baubürgermeister Martin Haag, ist das Unterfangen einen Ersatzstandort für das alte und von vielen geliebte Dreisamstadion zu finden wahrlich keine leichte Aufgabe.

Es wurden rund 25 Standorte anhand von Kriterien wie z.B. ÖPNV-Anbindung einer Vorprüfung unterzogen. Das Ergebnis: ein Standort, der am geeignetsten schien. Verwaltung und Politik entschieden sich diesen einzigen Standort vertiefend zu untersuchen. Zudem starteten sie an dieser Stelle  einen Dialogprozess. Im Fokus ein einziger möglicher Standort, ein entscheidender Webfehler mit Folgen.

So gut die Idee und Umsetzung des Dialogprozesses auch bislang gelöst wurde, so schwer wiegt die Hypothek des Verfahrens: TINA sitzt bei jeder Diskussion mit am Dialogtisch. TINA – die Abkürzung steht für  „There Is No Alternative“. War das Wort „alternativlos“ nicht 2010 von der Deutschen Gesellschaft für Sprache  zum Unwort des Jahres gekürt worden? Ja, und  TINA entfacht stets (und nicht zu unrecht) umgehende Widerstände, die sich rasant verschärfen und dann verhärten. TINA ist ein „Gift“, das sich ausbreitet. Der gemeinsame (Dialog-)Boden (the common ground) wird davon schneller verätzt als man miteinander das Gespräch suchen kann. Und auf diesem Boden wächst nicht Dialogkultur sondern Skepsis, Misstrauen bis hin zu Verleumdung, Verletzung, Wut und Zorn.

Hier hat sich die Prozesssteuerung keinen Gefallen getan: mit dem vermeintlich besten Standort (Flugplatz) aber auch dem zweitbesten in den Diskurs zu gehen, wäre vermutlich klüger gewesen. Eine erste gutachterliche Untersuchung zu Aspekten wie Lärmschutz, Naturschutz, Verkehrsbelastung erfolgte zum Gebiet Wolfswinkel (Flugplatz), mit kritischen Gutachterhinweisen vor allem beim Naturschutz und der Flugsicherheit. Begleitend zu dieser Gutachtenerstellung wurde ein Dialogverfahren aufgesetzt. Nach einer ersten sehr emotionalen Infoveranstaltung fand im Januar eine zweite großes Dialog- und Informationsforum mit rund 1000 Bürgern statt. Die Gutachter und die Verwaltung versuchten sachlich zu informieren, die Projektgegener, mittlerweile in zwei Bürgerinitiativen engagiert hielten teils fachlich, teils aggressiv dagegen.

Die Badische Zeitung bat mich darum diese Veranstaltung zu kommentieren. Hier mein „Einwurf“ in der BZ vom 26. Januar 2014.

Mehr zum Thema Standortsuche findet sich in einem Dossier der Badischen Zeitung hier.

Neueste Informationen: am 25.2. hat der Gemeinderat der Stadt Freiburg beschlossen, die vertiefenden Untersuchungen am Standort Flugplatz/Wolfswinkel durchzuführen. Die Ergebnisse werden dann vorgestellt. Anschließend wird es einen Bürgerentscheid zu Standort und Finanzierung geben.

 

 

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